Wenn du mit chronischen Schmerzen lebst, kennst du das seltsame Doppelgefühl: Nach außen funktionierst du, innen arbeitest du im Energiesparmodus. Medikamente helfen mal, mal nicht, Nebenwirkungen stapeln sich, und die Tage fühlen sich nach Verwaltung statt Leben an. Genau hier landet medizinisches Cannabis oft als Thema auf dem Tisch. Und ja, du kannst den Weg zu einem Cannabis Rezept heute in vielen Fällen online starten. Aber es ist kein One-Click-Checkout. Wer das ernsthaft und sauber angeht, spart sich Monate an Frust.
Ich gehe mit dir Schritt für Schritt durch, wie die Online-Termine tatsächlich ablaufen, woran Ärztinnen und Ärzte ihre Entscheidung festmachen, welche Stolpersteine regelmäßig die Genehmigung killen, und was es am Ende kostet. Dazu ein paar erprobte Taktiken aus der Praxis, damit du nicht an Kleinigkeiten scheiterst.
Kurz vorweg: Was “Cannabis auf Rezept” in Deutschland rechtlich bedeutet
Es geht um medizinisches Cannabis, verordnet von approbierten Ärztinnen und Ärzten auf einem Betäubungsmittelrezept. Das kann getrocknete Blüten, standardisierte Extrakte oder in seltenen Fällen Fertigarzneien umfassen. Der Einsatz ist grundsätzlich für Patientinnen und Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen gedacht, wenn anerkannte Therapien nicht ausreichend geholfen haben oder Nebenwirkungen nicht tragbar sind. Für Kassenpatienten ist in der Regel eine vorherige Genehmigung durch die Krankenkasse erforderlich. Privatversicherte und Selbstzahlende bewegen sich anders: Rezept ja, aber die Kostenfrage klärst du direkt mit Apotheke oder PKV.
Wichtig: Recreational, also freizeitlicher Konsum, fällt da nicht drunter. Wenn du nach “weed de”, Coffeeshop-Romantik und Joints für den Feierabend suchst, bist du hier im falschen Film. Wir sprechen über medizinische Versorgung.
Wann Cannabis als Schmerztherapie sinnvoll ins Bild rückt
Es hängt nicht am Etikett “Schmerz” allein. Ärztinnen und Ärzte schauen auf drei Dinge:
- Schwere und Chronizität: Seit wie vielen Monaten oder Jahren bestehen die Schmerzen? Wie stark sind sie im Alltag? Gibt es eine klare Diagnose wie neuropathische Schmerzen, Fibromyalgie, Arthrose, Rückenschmerzen mit radikulärer Komponente, Migräne mit häufigen Attacken? Therapieversuche: Was wurde probiert, in welchen Dosen, wie lange? Physio, NSAR, Antikonvulsiva, Antidepressiva, Opioide, Infiltrationen, multimodale Schmerztherapie? Wurden Wirkungen und Nebenwirkungen dokumentiert? Funktions- und Lebensqualität: Schlafstörungen, Arbeitsunfähigkeit, Appetitverlust, Angst, Depressivität. Cannabis wird nicht nur an der Schmerzskala gemessen, sondern am Gesamtpaket Funktion und Verträglichkeit.
In der Praxis ist die Schwelle für eine ernsthafte Cannabis-Indikation tiefer, wenn neuropathische Komponenten vorliegen oder wenn Nebenwirkungen anderer Mittel den Alltag ruinieren. Bei rein nozizeptiven Schmerzen ohne Komorbiditäten ist die Hürde höher. Das ist kein Dogma, aber eine Linie, die ich häufig sehe.
Online statt Wartezimmer: Was realistisch geht und wo Grenzen liegen
Online-Sprechstunden sind für den Erstkontakt, die Indikationsprüfung und den Aufbau der Dokumentation gut geeignet. Eine vollständige körperliche Untersuchung ist digital nicht machbar, aber wenn die Diagnose gesichert ist und du aktuelle Befunde hochlädst, akzeptieren viele Ärztinnen und Ärzte das als Basis.
Die Grenzen: Bei unklarer Diagnose, Red Flags (neurologische Ausfälle, Fieber, ungewollter Gewichtsverlust, akute Traumen) oder wenn Substanzgebrauchsstörungen vermutet werden, wirst du vor Ort weiter abgeklärt. Seriöse Telemedizin-Anbieter ziehen hier eine Linie, und das ist richtig so.
Was du vor dem Online-Termin vorbereiten solltest
Ich habe in zig Fällen gesehen, dass genau hier die Weichen gestellt werden. Unvollständige Unterlagen kosten Wochen, manchmal Monate. Was sinnvoll ist:
- Ein kurzer, strukturierter Schmerztageslauf: Wann tritt der Schmerz auf, wodurch wird er schlimmer, wodurch besser? Zwei Wochen reichen oft. Schreib konkret, nicht lyrisch. Beispiel: “Morgens 6 von 10, Sitzen über 30 Minuten verschlechtert auf 7–8, 20 Minuten Gehen bessert auf 5.” Medikamentenliste mit Dosierung, Dauer, Wirkung, Nebenwirkungen: “Pregabalin 2 x 75 mg über 8 Wochen, Sedierung stark, Schwindel, keine relevante Schmerzlinderung.” Vorbefunde als PDFs: Arztbriefe, Radiologie, Labor, Reha-Entlassbriefe. Ein sauber benannter Ordner macht dich zum Lieblingspatienten jeder Videosprechstunde. Kurzer Absatz zur Lebensqualität: Schlaf, Arbeit, Familienleben. Zwei, drei Sätze, faktennah. Versicherungsstatus und Wunsch der Kostenübernahme: Kasse, privat, Selbstzahler. Das steuert die Prozesskette erheblich.
Dieser Vorlauf spart oft mindestens einen zusätzlichen Termin. Und du trittst erkennbar als jemand auf, der Verantwortung übernimmt, nicht als Shopper.

Wie die Online-Erstverordnung typischerweise abläuft
Ärztinnen und Ärzte, die telemedizinisch Cannabis verordnen, arbeiten strukturierter, als es von außen aussieht. Ein realistischer Ablauf:
Erstgespräch per Video, 20 bis 40 Minuten. Es geht um Anamnese, bisherige Therapien, Begleiterkrankungen, mögliche Kontraindikationen wie unbehandelte Psychosen, schwere Leberinsuffizienz oder Hochrisiko-Herzkrankheiten. Ein nüchternes, glaubwürdiges Bild hilft dir weit mehr als das Pathos maximaler Verzweiflung.
Wenn die Indikation plausibel ist, folgt die Frage der Versorgungsform: Kassenrezept mit Antrag oder Privatrezept. Bei Kassenversicherten wird in der Regel ein Antrag mit ärztlicher Begründung erstellt. Das dauert, realistischerweise, je nach Kasse etwa 2 bis 6 Wochen, manchmal länger. Privat und Selbstzahlende können schneller starten, tragen aber die Kosten. In beiden Fällen muss ein Betäubungsmittelrezept physisch zur Apotheke, oft per Postversand an dich oder direkt an eine Versandapotheke. Einige Telemedizin-Anbieter arbeiten mit Apotheken zusammen, die das Handling routiniert übernehmen.
Blüten oder Extrakt? Die praxisnahe Entscheidung
Die meisten Schmerzpatienten landen zunächst bei standardisierten THC/CBD-Extrakten, weil die Dosissteuerung feiner und für Kassenanträge besser belegbar ist. Blüten haben ihren Platz, vor allem bei schneller Anflutung für Durchbruchschmerzen und wenn Inhalation hilft, etwa vor dem Schlafen. Für Anfänger ist die Inhalation über Vaporizer sinnvoller als Rauchen, dosierbarer und lungenschonender. Wenn du mit Rauchen startest, wird es kompliziert, medizinisch und politisch. Es wirkt, aber du schaffst dir Argumentationslücken bei Kassen und Ärztinnen.
Bei Extrakten ist die übliche Logik: niedrig anfangen, langsam steigern, Nebenwirkungen eng beobachten. Häufiges Einstiegsfenster sind 2,5 bis 5 mg THC abends, dann in 2,5–5 mg Schritten alle 2 bis 3 Tage anpassen, bis Wirkung oder Nebenwirkungen die Grenze setzen. CBD kombiniert man je nach Bild, etwa 10–20 mg als Start, weil es anxiolytisch und antikonvulsiv wirken kann und Nebenwirkungen von THC abfedert. Es gibt Ausnahmen, aber diese Größenordnungen https://www.weed.de/kontakt taugen als Orientierung.
Bei Blüten denken viele an Prozentwerte. 18–22 Prozent THC sind kein Anfängerlevel. Für Schmerzpatienten, die tagsüber funktionieren müssen, sind 8–14 Prozent THC in einem konvektiven Vaporizer oft praktikabler, dazu ein Indica-dominanter Chemotyp für die Nacht. Manche kommen mit 0,05–0,1 g pro Session gut hin. Mehr ist nicht automatisch besser, oft nur teurer und nebenwirkungsreicher.
Nebenwirkungen ehrlich abwägen, aber nicht dramatisieren
Was real vorkommt: Müdigkeit, Schwindel, trockener Mund, gelegentliche Herzrasen-Episoden, kurzfristige Gedächtnislücken bei höheren THC-Dosen. Diese Effekte sind dosisabhängig und klingen meist nach Tagen bis Wochen ab, wenn man sinnvoll titriert. Seltenere Themen sind Angstreaktionen, paranoide Gedanken und, bei Prädisposition, psychotische Episoden. Wer in der Familie entsprechende Vorerkrankungen hat, sollte das offen ansprechen und sich langsam herantasten, eher mit CBD-gewichteten Optionen.
Bei Schmerzen ist die Balance heikel: Du willst weniger leiden, aber nicht benommen durch den Tag schlittern. In der Praxis funktioniert ein zweigleisiges Schema gut, zum Beispiel tagsüber niedrige Dosen oder CBD-dominant, abends eine etwas höhere THC-Dosis für Schlaf und Muskelentspannung. Fahruntüchtigkeit bleibt ein Punkt. Die Faustregel, 6 bis 8 Stunden nach Inhalation nicht zu fahren, ist konservativ und rechtlich trotzdem nicht kugelsicher. Wer beruflich fahren muss, braucht eine klare Strategie und ärztliche Dokumentation.
Kosten, Abrechnung, Genehmigung: die nüchterne Seite
Zahlen helfen bei Entscheidungen. Ohne Kassengenehmigung liegen die monatlichen Kosten für Extrakte häufig zwischen 150 und 400 Euro, je nach Dosis und Produkt. Blüten variieren stark, grob 8 bis 20 Euro pro Gramm, plus Verbrauch, meist 0,2 bis 0,6 g pro Tag, also 50 bis 360 Euro im Monat. Privatversicherungen erstatten je nach Tarif, häufig mit vorheriger Einzelfallprüfung.
Bei gesetzlich Versicherten ist die Genehmigung der Dreh- und Angelpunkt. Die Krankenkasse muss “im Regelfall” vorab zustimmen. Die Ablehnungsgründe wiederholen sich: unklare Diagnose, fehlende dokumentierte Vorbehandlungen, zu vage Begründung der Ärztin oder des Arztes, oder eine zu generische Formulierung (“Patient hat Schmerzen”). Eine gute Begründung benennt Diagnose, Leidensdruck, konkrete Vorbehandlungen (Substanz, Dosis, Dauer, Wirkung/Nebenwirkung), therapeutisches Ziel und geplante Verlaufskontrolle. Ein strukturierter Antragsbrief wirkt Wunder.
Wenn abgelehnt wird, lohnt sich Widerspruch, sachlich und mit Nachbesserung der Dokumentation. Ich habe Fälle gesehen, in denen die erste Ablehnung in vier Wochen aufgehoben wurde, sobald die Vorbehandlungen sauber gelistet waren. Es ist mühsam, aber nicht aussichtslos.
Seriöse Online-Anbieter von unseriösen unterscheiden
Ich nenne hier bewusst keine Marken. Die Prüfsteine sind immer dieselben:
- Transparente Aufklärung: Kontraindikationen, Nebenwirkungen, Fahrtüchtigkeit, Abhängigkeitspotenzial. Wenn das Gespräch nur aus “Ja, wir verschreiben alles” besteht, lauf. Ärztliche Erreichbarkeit: Nachverordnung, Dosisanpassung, Nebenwirkungsmanagement. Ein anonymes Ticketsystem reicht nicht. Rezeptlogistik: Erklären sie dir den Versand des BtM-Rezepts und kooperieren mit Apotheken, ohne dich zu binden? Exklusive Bindungen sind ein Warnsignal. Datenschutz und Serverstandort: Medizinische Daten gehören nicht in nebulöse Clouds, sondern in Systeme, die DSGVO-konform arbeiten, idealerweise in der EU. Realistische Indikationsprüfung: Ein Nein ist manchmal ein gutes Zeichen. Medizin ist kein Shop.
Wenn du auf Seiten landest, die primär mit “schnell, billig, garantiert” werben, wirst du später meist teuer bezahlen, sei es durch Ablehnung der Kasse, Liegenbleiben bei Nebenwirkungen oder ein abrupt beendetes Behandlungsverhältnis.
Ein realistisches Szenario aus der Praxis
Anna, 42, Sachbearbeiterin, chronische lumbale Rückenschmerzen mit radikulärer Reizung seit drei Jahren. MRT zeigt degenerative Veränderungen, nichts Operationspflichtiges. Sie hat Physio, NSAR, Amitriptylin 10–25 mg, Gabapentin bis 900 mg, zwei Infiltrationen hinter sich. Schlaf gestört, 4–5 Stunden pro Nacht, Konzentration am Nachmittag mau. Anna ist gesetzlich versichert, will aber nicht noch Monate warten.
Sie bucht eine Online-Sprechstunde. Vorab lädt sie Arztbriefe und das MRT hoch, listet Medikamente mit Dosis und Wirkung, schreibt zwei Absätze zum Schlaf und Arbeitsalltag. Im Termin ist schnell klar: Indikation ist plausibel. Die Ärztin schlägt einen Kassensantrag vor und erklärt, dass ein Privatrezept als Überbrückung sinnvoll wäre, wenn Anna das möchte. Anna entscheidet sich für beides.

Start mit einem THC/CBD-Extrakt 1:1, abends 2,5 mg THC + 2,5 mg CBD, nach drei Tagen 5 + 5 mg, nach einer Woche optional 7,5 + 7,5 mg. Tagsüber vorerst kein THC. Nach zehn Tagen schläft sie 6–7 Stunden, Müdigkeit morgens leicht, kein Schwindel. In Woche 3 testet sie tagsüber 2,5 mg THC + 5 mg CBD nach dem Mittag. Funktioniert, Fokus ist okay. Parallel läuft der Kassensantrag mit sauberer Dokumentation der Vorbehandlungen. Nach vier Wochen bekommt sie eine Rückfrage der Kasse, die Ärztin beantwortet sie mit einer ergänzten Liste der gescheiterten Medikamente. In Woche 6 ist die Genehmigung da. Anna bleibt bei moderaten Dosen, die Physio wirkt jetzt endlich spürbar, weil der Muskeltonus abends runtergeht. Sie fährt nicht mehr frühmorgens, wenn die Abenddosis noch greifen könnte. Kein Drama, nur bessere Tage.
Dosisfindung ohne Heldentaten
Das häufigste Missverständnis: Cannabis wirkt, also mehr hilft mehr. Nicht bei Schmerzen. Es gibt ein “sweet spot”, darüber kippt es oft in Benommenheit ohne Zusatznutzen. Der Weg dorthin ist langweilig, aber sicher: kleine Schritte, klare Kriterien. Nimm dir 10 Minuten alle zwei Tage und protokolliere drei Dinge: Schmerzintensität, Schlafqualität, Funktionsfähigkeit am Tag. Wenn zwei von drei Parametern besser sind und Nebenwirkungen okay, bleib da erst mal. Wenn nur eines besser ist, justiere in winzigen Schritten. Wenn alles schlechter wird, geh einen Schritt zurück.
Bei Blüten gilt ähnliches. Stell den Vaporizer reproduzierbar ein, zum Beispiel 185–190 Grad, und arbeite mit klaren Zugintervallen. Wer wild von 170 auf 210 Grad springt, hat am Ende kein Gefühl für Dosis und Wirkspektrum.
Wechselwirkungen, die Ärger machen
THC wird über CYP2C9 und CYP3A4 metabolisiert, CBD primär über CYP2C19 und 3A4. Praktisch relevant sind Interaktionen mit Blutverdünnern wie Warfarin, bestimmten Antiepileptika, einigen Antidepressiva und Makrolidantibiotika. Das ist nichts, was dich hiervon ausschließt, aber ein Grund, warum eine vollständige Medikamentenliste entscheidend ist. Und ja, Alkohol plus höhere THC-Dosen ist eine schlechte Mischung, klinisch und rechtlich.
Cannabis ist kein Ersatz für saubere Therapiearbeit
Wer erwartet, dass Cannabis eine miserable Matratze, keine Bewegung und zehn Stunden Bildschirmarbeit wegbügelt, wird enttäuscht sein. Umgekehrt öffnen moderate THC/CBD-Regime oft genau das Fenster, das man braucht, um wieder zu trainieren, Physio ernsthaft mitzunehmen, Gewicht zu reduzieren oder Schlafhygiene zu stabilisieren. Ich sehe die besten Verläufe, wenn Cannabis als Verstärker eines multimodalen Programms läuft, nicht als alleiniger Held.
Was die meisten beim Kassenantrag übersehen
Viele Anträge stolpern über weiche Formulierungen. Vermeide Sätze wie “alles probiert, nichts hilft.” Das wirkt verzweifelt, aber unscharf. Besser: “Ibuprofen 3 x 600 mg über 3 Wochen, keine anhaltende Besserung, Refluxverschlechterung. Amitriptylin bis 25 mg über 6 Wochen, Müdigkeit am Morgen, Mundtrockenheit, keine relevante Reduktion neuropathischer Schmerzen.” Genauigkeit schlägt Dramaturgie.
Zweitens, setz ein realistisches Therapieziel: “Schmerzreduktion um 30 Prozent, Verbesserung der Schlafdauer auf 6–7 Stunden, Reduktion von Notfallmedikation.” Das zeigt, dass du verstehst, was machbar ist.
Drittens, skizziere das Monitoring: “Kontrolltermin nach 4 Wochen, NRS-Schmerzskala, Schlafprotokoll, Nebenwirkungserhebung, ggf. Reduktion von Co-Medikation.” Krankenkassen mögen nachvollziehbare Pläne.
Wenn die Ärztin nein sagt
Ein echtes Nein ist besser als ein halbgares Ja. Frag nach den Gründen. Fehlt Dokumentation? Ist die Diagnose unklar? Gibt es Kontraindikationen? Manchmal ist die Antwort: erst Orthopädiebrief aktualisieren, dann wiederkommen. Oder: erst ein strukturiertes Amitriptylin- oder Duloxetin-Protokoll, dann ein neuer Anlauf. Das ist lästig, aber am Ende stabiler. Wenn dich ein Anbieter sofort abwimmelt oder nur Blüten mit hoher THC-Konzentration “verkaufen” will, such dir jemand anderen.
Realistische Zeitleiste vom Erstkontakt bis zur stabilen Einstellung
- Vorbereitung der Unterlagen: 1–7 Tage, je nachdem, wie geordnet du bist. Ersttermin online: meist innerhalb von 1–14 Tagen zu bekommen. Privatrezept-Start: 2–5 Tage bis zur Lieferung über eine kooperierende Apotheke, je nach Versand. Kassenantrag: 2–6 Wochen bis zur Entscheidung, mit Ausreißern nach oben. Dosisfindung: 2–8 Wochen bis zu einer alltagstauglichen, stabilen Einstellung. Verlaufsmanagement: quartalsweise Kontrollen sind gängig, bei Bedarf enger.
Vom ersten Mausklick bis zu einem “das trägt mich durch den Alltag” vergehen bei guter Vorbereitung oft 4–10 Wochen. Ohne Vorbereitung verdoppelt sich die Zeit schnell.

Häufige Fehltritte, die du dir sparen kannst
- Start mit zu hohen THC-Dosen, weil die Schmerzen “endlich leiser” sein sollen. Folge sind Schwindel, Angst, Funktionseinbruch. Inhalation ohne Vaporizer, also Rauchen. Medizinschlecht, Dosis ungenau, rechtlich dünnes Eis. Unklare Kommunikation am Arbeitsplatz. Wenn du Maschinen führst oder fährst, brauchst du eine juristisch saubere Linie. Sprich früh mit Betriebsarzt oder Vorgesetzten, ohne intime Details zu teilen. Parallelkonsum von Schwarzmarktprodukten, weil das Rezept “zu langsam” kommt. Wenn im Urintest etwas anderes auftaucht als verordnet, zerstört das Vertrauen. Antrag ohne Dokumentation. Das spart eine Stunde jetzt und kostet dir Monate später.
Wenn Cannabis nicht wirkt: Wann abbrechen
Nicht jede oder jeder profitiert. Ein fairer Testzeitraum sind 6–8 Wochen mit systematischer Dosisfindung. Wenn Schmerz, Schlaf und Funktion unverändert sind oder Nebenwirkungen dominieren, stopp oder schwenk um. Manchmal bringt ein Wechsel von Extrakt zu Blüte oder zu einem anderen Chemotyp mit anderem Terpenprofil Bewegung rein. Manchmal ist es schlicht nicht das richtige Werkzeug. Besser ein klares Ende als ein endloses “noch eine Sorte”.
Ein Wort zur Produktqualität und Apothekenwahl
Die Spannbreite der Qualität ist real. Extrakte mit standardisierten Cannabinoid-Gehalten und verlässlicher Chargenkonstanz erleichtern die Therapie. Bei Blüten spielt Lagerung eine große Rolle. Zu trockene Ware verdampft schlecht, zu feuchte brennt. Apotheken, die Cannabis regelmäßig führen, sind oft kompetenter in Auswahl und Lagerung. Du musst dich nicht binden, aber eine kontinuierliche Beziehung spart Zeit. Wenn eine Apotheke nur mit einem Anbieter arbeiten will und Alternativen schlechtredet, frag nach Gründen oder wechsle.
Was sich ändert, wenn psychische Komorbiditäten im Spiel sind
Angststörungen, Depressionen, ADHS, posttraumatische Belastung, all das beeinflusst die Wirkung. THC kann Ängste verstärken, CBD eher dämpfen. In diesen Konstellationen ist eine Co-Betreuung durch Psychiatrie oder Psychotherapie hilfreich. Manchmal ist Cannabis nicht die Hauptwaffe, sondern flankierend für Schlafregulation und Muskeltonus. Das ändert auch die Dosisfenster, meist tiefer, langsamer, mit klarer Tagesstruktur.
Rechtlicher Alltag: Fahren, Arbeit, Reisen
Fahren unter Cannabis ist ein Minenfeld. Medizinische Verordnung schützt dich nicht automatisch vor Sanktionen. Entscheidend sind Fahrtüchtigkeit und Grenzwerte im Blut. Dokumentiere deine Dosierung, halte Abstände zu Fahrten konservativ, und lass dich ärztlich beraten. Am Arbeitsplatz gelten Betriebsvereinbarungen und Arbeitsschutz. Wer sicherheitsrelevante Tätigkeiten ausführt, braucht eine klare Freigabe, sonst drohen Konsequenzen.
Reisen mit medizinischem Cannabis innerhalb der EU kann funktionieren, wenn du eine beglaubigte ärztliche Bescheinigung mitführst und die Menge angemessen ist. Außerhalb der EU ist es teils heikel bis illegal. Klär das vorab, oder lass es.
Für wen Online der bessere Start ist und für wen nicht
Online eignet sich gut, wenn die Diagnose steht, Vorbehandlungen dokumentiert sind und du einen klaren Plan willst. Es wird schwierig, wenn du primär “mal probieren” möchtest, ohne Unterlagen, oder wenn komorbide Substanzthemen offen sind. Dann ist ein lokales Schmerz- oder Hausarztteam meist der bessere erste Schritt, gegebenenfalls in Kombination mit Telemedizin für die Folge.
Kompakter Fahrplan, falls du heute anfangen willst
- Sammle und scanne Arztbriefe, MRT/Befunde, Medikamentenliste mit Dosen und Dauer. Führe 10–14 Tage ein kurzes Schmerz- und Schlafprotokoll. Kläre für dich: Kassenantrag oder Selbstzahler als Überbrückung. Buche eine Online-Sprechstunde bei einem Anbieter mit klarer Aufklärung und erreichbarer ärztlicher Betreuung. Starte niedrig dosiert, dokumentiere Wirkung und Nebenwirkungen, plane einen Kontrolltermin in 2–4 Wochen.
Das klingt nach Aufwand. Ist es auch. Aber wenn du seit Monaten oder Jahren mit Schmerzen jonglierst, ist Struktur die Abkürzung, nicht der Umweg.
Noch ein letzter, praktischer Hinweis zur Erwartung
Cannabis ist keine Narkose zum Alltag. Gute Verläufe sehen unspektakulär aus: Der Schlaf ist 30–60 Minuten länger, die Schmerzspitzen werden runder, die Laune stabiler, die Physio greift, die Notfalltabletten werden seltener. Das ist kein Wunder, es ist Therapie. Und wenn du dir genau das wünschst, bist du auf dem richtigen Pfad.